Die 1864 gegründete Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK; heute in der Deutschen Montan Technologie GmbH aufgegangen) war eine Gemeinschaftsorganisation der Bergbauunternehmen an der Ruhr. Bereits im Jahre 1910 hatte sie eine so genannte "Außenklasse" in Dortmund eröffnet. Wegen des damals steigenden Bedarfs an qualifizierten Fachkräften im Bergbau entwickelte sich diese Außenklasse bald zu einer eigenständigen Bergschule.


(Ansicht 1955)

Nachdem die Dortmunder Bergschüler durch Kriegseinwirkungen obdachlos geworden waren, zogen sie 1952 aus einer behelfsmäßigen Unterkunft in das neuerrichtete Gebäude an der Lindemannstraße um. Ab 1963 wurden dort im Rahmen der neuorganisierten Bergfachschule der Führungsnachwuchs für die Zechenwirtschaft des östlichen Reviers ausgebildet.


(Maschinenhalle 1955)

1980 machte die Ausbildungsstätte vorübergehend eine Etage für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung frei. 1982 zog sie dann endgültig in das WBK-Schulungszentrum Bergkamen um - ein Stück Nordwanderung des Bergbaus auch im Ausbildungsbereich.

Wirtschaftlicher Hintergrund: gab es zur Nachkriegsblüte des Revierbergbaus (1953) in




 

Dortmund insgesamt 14 Zechen mit über 46.000 Beschäftigten, so waren es 1984 noch zwei Betriebe mit 9.000 Arbeitnehmern.


(Luftbild 90er Jahre)

Ein Jahr stand das markante rote Backsteingebäude im Dreieck Lindemannstraße, Wittekindstraße und Rheinlanddamm daraufhin leer, bis es der Westdeutsche Rundfunk Ende 1983 für fünf Ja

hre anmietete. Im September 1984 feierte das "Funkhaus Lindemannstraße" Richtfest - aus der Bergschule wurde ein modernes Studio- und Sendezentrum für das zeitlich befristete Kabelpilotprojekt Dortmund. In der Maschinenhalle war das Fernsehstudio, in der Direktorenvilla der "offene Kanal" untergebracht. Der "Wachablösung" im alten Bergschulgebäude haftet durchaus etwas Sinnfälliges an. Auf eine bis in die Gründerjahre zurückreichende Bergbautradition folgt ein technologisch innovativer Modellversuch.


(Baulücke nach dem Abriss, 1993)

1988 endete das Kabelpilotprojekt. Das Gebäude wurde ein Jahr später abgerissen und wich einem modernen Büroneubau inkl. Gastronomie ("Antica Roma").

Quellen: Projektbuch zum Kabelpilotprojekt Dortmund 1984


 
© schweinrich.de  September  2003